Glossarbegriff
Realized Volatility
Realized Volatility (RV) ist die tatsächliche, historische Volatilität eines Wertpapiers, berechnet aus vergangenen Kursrenditen – im Gegensatz zur Implied Volatility (IV), der zukunftsgerichteten, in Optionspreisen eingepreisten Markterwartung. Der IV-RV-Spread ist die Volatilitätsrisikoprämie.
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Die tatsächliche Bewegung berechnen
Realized Volatility ist rückblickend: Man nimmt eine Reihe vergangener Renditen — typischerweise täglich, über ein rollierendes Fenster wie 20 oder 60 Handelstage — und annualisiert deren Standardabweichung. Sie beantwortet eine einfache, faktische Frage: Wie stark hat sich dieses Wertpapier im gemessenen Zeitraum im Durchschnitt tatsächlich bewegt? Im Gegensatz zur Implied Volatility, die aus aktuellen Optionspreisen abgeleitet wird und widerspiegelt, was der Markt für die Zukunft erwartet, ist Realized Volatility reine historische Tatsache, berechnet im Nachhinein aus einer Kursreihe, die bereits feststeht. Sie enthält keine Prognose und keine eingebettete Meinung — sie ist schlicht eine Messung dessen, was bereits geschehen ist, und genau deshalb der natürliche Maßstab, an dem die Implied Volatility gemessen wird.
Der IV-RV-Spread
Implied Volatility liegt im Durchschnitt und über lange Zeiträume tendenziell über der nachfolgenden Realized Volatility — der Markt preist in der Regel mehr Bewegung ein, als sich am Ende des Zeitraums tatsächlich zeigt. Diese anhaltende Lücke wird als Volatilitätsrisikoprämie bezeichnet, und sie ist der strukturelle Grund dafür, dass Optionsverkaufsstrategien über lange Zeiträume einen positiven Erwartungswert aufweisen: Der Verkäufer vereinnahmt eine Prämie, die für mehr Bewegung eingepreist wurde, als typischerweise eintritt, und streicht die Differenz zwischen der eingepreisten Angst und der meist darauffolgenden Ruhe ein. Der Spread ist jedoch nicht konstant — er verengt sich in ruhigen, volatilitätsarmen Phasen und kann sich rund um bekannte Ereignisrisiken abrupt umkehren, wenn die Realized Volatility kurzzeitig über das hinausschießt, was der Optionsmarkt im Vorfeld des Ereignisses eingepreist hatte.
Warum das für die Positionsgrößung wichtig ist
Der Vergleich von IV und RV, Titel für Titel, ist der Ausgangspunkt für die Entscheidung, ob eine prämienverkaufende Struktur tatsächlich fair für das eingegangene Risiko entlohnt wird. Ein weiter IV-RV-Spread bei einem bestimmten Wertpapier deutet darauf hin, dass der Optionsmarkt die kurzfristige Bewegung im Verhältnis zum tatsächlichen jüngsten Verhalten der Aktie möglicherweise überbewertet; ein enger oder negativer Spread deutet darauf hin, dass die angebotene Prämie das mit der Position eingegangene Risiko möglicherweise nicht ausreichend kompensiert. Der VIX-Stand von Closelook sowie einzeltitelbezogene Skew-Werte sind beide diesem gleichen Vergleich von Realized versus Implied nachgelagert, angewandt auf Index- bzw. Einzelaktienebene, und beide bewegen sich meist im Gleichlauf.